Was ist Krankengeld – und ab wann wird es gezahlt?
Wer als Arbeitnehmer längere Zeit krank ist, bekommt nicht einfach nichts. Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) springt ein, sobald der Arbeitgeber die Lohnfortzahlung einstellt – das ist nach sechs Wochen (42 Kalendertagen) der Fall. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt die Krankenkasse die Zahlung in Form des Krankengeldes.
Anspruch haben grundsätzlich alle Pflichtmitglieder der GKV, deren Mitgliedschaft einen Krankengeldanspruch einschließt. Das trifft auf die meisten sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer zu. Freiwillig versicherte Selbstständige hingegen müssen den Krankengeldanspruch gesondert mit ihrer Krankenkasse vereinbaren – er ist nicht automatisch inklusive.
Familienversicherte und geringfügig Beschäftigte
Wie wird das Krankengeld berechnet?
Die Berechnung folgt zwei gesetzlichen Obergrenzen, von denen die niedrigere gilt (§ 47 SGB V):
- 70 % des beitragspflichtigen Bruttoarbeitsentgelts (sogenanntes Regelentgelt)
- Maximal 90 % des tatsächlich ausgezahlten Nettoarbeitsentgelts
In der Praxis wirkt die Netto-Grenze häufig begrenzender als die Brutto-Grenze – besonders bei mittleren Einkommen, wo Steuern und Sozialabgaben spürbar ins Gewicht fallen. Der Rechner oben berücksichtigt beide Grenzen automatisch und zeigt Ihnen das jeweils niedrigere Ergebnis.
Einmalzahlungen fließen anteilig ein
Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld oder Boni, die Sie in den letzten zwölf Monaten vor Ihrer Erkrankung erhalten haben, werden bei der Berechnung des Regelentgelts berücksichtigt – allerdings nur anteilig. Die Krankenkasse addiert die Summe all dieser Einmalzahlungen und verteilt sie gleichmäßig auf zwölf Monate. Der so ermittelte Monatsbetrag erhöht die Berechnungsgrundlage.
Der gesetzliche Höchstbetrag 2026
Da das Krankengeld nur auf das beitragspflichtige Einkommen bezogen wird, gibt es eine absolute Obergrenze. Diese ergibt sich aus der Beitragsbemessungsgrenze in der GKV, die im Jahr 2026 bei 5.812,50 Euro pro Monat liegt. Daraus folgt ein maximaler Brutto-Tagessatz von 135,63 Euro (5.812,50 × 70 % ÷ 30). Einkommensanteile oberhalb dieser Grenze werden bei der Krankengeldberechnung nicht berücksichtigt.
Rechenbeispiel zur Krankengeld Berechnung
Um die Formel greifbarer zu machen, hier ein konkretes Beispiel auf Basis typischer Zahlen für 2026:
Rechenbeispiel 2026
Maßgeblich ist der niedrigere Wert: 69,00 €/Tag (Brutto-Tagessatz). Nach Abzug der Sozialversicherungsbeiträge (Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung) ergibt sich ein Netto-Auszahlungsbetrag von rund 59–61 €/Tag – je nach Kinderstatus.
Welche Abzüge fallen vom Krankengeld ab?
Das Krankengeld selbst ist steuerfrei, unterliegt aber dem Progressionsvorbehalt – das bedeutet, es erhöht rechnerisch Ihren Steuersatz auf andere Einkünfte, die Sie im gleichen Jahr hatten. Sozialversicherungsbeiträge fallen dagegen direkt auf das Krankengeld an:
| Versicherungszweig | Beitragssatz (AN-Anteil) 2026 | Besonderheit |
|---|---|---|
| Rentenversicherung | 9,3 % | Halber Beitragssatz |
| Arbeitslosenversicherung | 1,3 % | Halber Beitragssatz |
| Pflegeversicherung (mit Kindern) | 2,3 % | Ohne Kinderlosenzuschlag |
| Pflegeversicherung (ohne Kinder, ab 23 J.) | 2,9 % | Inkl. 0,6 % Kinderlosenzuschlag |
Krankenversicherungsbeiträge werden während des Krankengeldbezugs in der Regel nicht erhoben – die Krankenkasse selbst zahlt sich also keinen Beitrag. Der Arbeitgeber ist an den Krankengeldabzügen ebenfalls nicht mehr beteiligt.
Wie lange wird Krankengeld gezahlt?
Der Bezugszeitraum ist gesetzlich begrenzt. Für dieselbe Krankheit können Versicherte innerhalb von drei Jahren maximal 78 Wochen lang Leistungen erhalten – die sechs Wochen Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber sind darin bereits eingerechnet (§ 48 SGB V). Effektiv zahlt die Krankenkasse also bis zu 72 Wochen.
Die sogenannte Blockfrist beginnt mit dem ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit wegen der jeweiligen Erkrankung. Erkranken Sie an einer völlig anderen Krankheit, läuft eine separate Frist an. Kommt während einer bestehenden Arbeitsunfähigkeit eine weitere Erkrankung hinzu, verlängert das die Gesamtdauer nicht automatisch.
Aussteuerung rechtzeitig im Blick behalten
Wann kann das Ergebnis vom tatsächlichen Krankengeld abweichen?
Unser Rechner liefert eine fundierte Schätzung auf Basis der gesetzlichen Standardformel. In einigen Situationen ermittelt Ihre Krankenkasse jedoch einen anderen Betrag:
- Schwankendes Einkommen: Wer als Stundenlohnkraft, Schichtarbeiter oder mit variablen Provisionen arbeitet, hat kein konstantes Monatsgehalt. Die Krankenkasse ermittelt in diesem Fall ein Durchschnittseinkommen aus dem Entgeltabrechnungszeitraum vor der Erkrankung.
- Kurzarbeitergeld: Wer unmittelbar vor der Erkrankung Kurzarbeitergeld bezogen hat, kann ein reduziertes Krankengeld erhalten – weil das Kurzarbeitergeld selbst die Berechnungsgrundlage senkt.
- Mehrere Arbeitgeber: Bei zwei gleichzeitigen Beschäftigungen können die Einkommen zusammengerechnet werden, sofern beide beitragspflichtig sind – allerdings nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze.
- Ende des Arbeitsverhältnisses: Wer während der Krankmeldung gekündigt wird oder das Arbeitsverhältnis endet, erhält das Krankengeld weiterhin – die Berechnung kann sich jedoch auf das frühere Einkommen stützen. Ab 2027 gelten hier neue gesetzliche Regelungen.
Praktische Hinweise rund um das Krankengeld
Attest lückenlos einreichen
Damit der Krankengeldanspruch nicht unterbrochen wird, muss die Folgebescheinigung der Arbeitsunfähigkeit lückenlos bei der Krankenkasse eingehen. Seit der Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) übermitteln die meisten Arztpraxen das Attest direkt. Es lohnt sich dennoch, den Eingang kurz zu bestätigen – besonders bei Wechsel des Arztes oder an Feiertagen.
Krankengeldlücke absichern
Der Rechner zeigt Ihnen auch die monatliche Netto-Lücke – also den Betrag, um den Ihr Krankengeld hinter Ihrem gewohnten Nettogehalt zurückbleibt. Wer dieses Risiko absichern möchte, kann eine private Krankentagegeldversicherung abschließen. Die Beiträge und Wartezeiten variieren stark; ein Vergleich lohnt sich bereits vor einer Erkrankung.
Progressionsvorbehalt bei der Steuererklärung
Obwohl Krankengeld steuerfrei ist, müssen Sie es in Ihrer Steuererklärung in der Anlage N angeben. Das Finanzamt rechnet das Krankengeld auf Ihr zu versteuerndes Einkommen hoch, um den Steuersatz zu ermitteln. Das kann – je nach Gesamteinkommen im Jahr – zu einer Nachzahlung führen.
Häufige Fragen zum Krankengeld
Ab dem wievielten Tag zahlt die Krankenkasse Krankengeld?
Gilt das Krankengeld auch bei Elternzeit oder Teilzeit?
Kann ich neben dem Krankengeld arbeiten?
Wird das Krankengeld automatisch überwiesen?
Was passiert, wenn mein Arbeitgeber keine Verdienstbescheinigung ausstellt?
Disclaimer: Die Ergebnisse dieses Rechners sind unverbindliche Schätzwerte und ersetzen keine individuelle Auskunft durch Ihre Krankenkasse oder einen qualifizierten Sozialrechtsberater. Trotz sorgfältiger Recherche übernehmen wir keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen und Berechnungsergebnisse. Die Inhalte stellen keine Rechts- oder Finanzberatung dar.