Was kostet ein Anwalt? Die Grundlage ist das RVG
Wer rechtliche Hilfe braucht, fragt sich meistens zuerst: Was kommt das auf mich zu? In Deutschland regelt das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz – kurz RVG – wie viel ein Rechtsanwalt für seine Tätigkeit abrechnen darf, wenn keine individuelle Honorarvereinbarung getroffen wurde. Die Grundlage fast aller Berechnungen ist dabei der Streitwert: der wirtschaftliche Wert des Rechtsstreits.
Mit diesem Rechner können Sie Anwaltskosten auf Basis des Streitwerts schätzen – für eine erste Orientierung, bevor Sie rechtliche Schritte einleiten.
Wie funktioniert die RVG-Berechnung?
Das RVG legt für jeden Streitwert eine sogenannte Gebührentabelle fest. Aus dieser Tabelle ergibt sich eine einfache Gebühr (1,0-fach). Je nach Tätigkeit des Anwalts wird diese Gebühr mit einem bestimmten Faktor multipliziert – diesem Faktor nennt man Gebührenrahmen.
Typische Gebühren im Überblick:
| Tätigkeit | Gebührenfaktor |
|---|---|
| Beratungsgebühr (außergerichtlich) | 1,0 |
| Geschäftsgebühr (z. B. Schreiben) | 1,3 |
| Verfahrensgebühr (Gericht) | 1,3 |
| Terminsgebühr (Gerichtsverhandlung) | 1,2 |
Hinzu kommen immer eine Auslagenpauschale (pauschal für Porto, Kopien etc.) sowie die Mehrwertsteuer von 19 %.
Das heißt: Selbst bei einem einfachen anwaltlichen Schreiben fallen Gebührenrahmen, Auslagen und Steuer zusammen an. Der Rechner berücksichtigt diese Bestandteile automatisch.
Rechenbeispiel: Mietstreit mit 3.000 Euro Streitwert
Angenommen, Sie streiten sich mit Ihrem Vermieter über eine Nebenkostenabrechnung, der Streitwert beträgt 3.000 Euro.
Ihr Anwalt schreibt ein außergerichtliches Schreiben an die Gegenseite (Geschäftsgebühr 1,3) und nimmt danach an einer Gerichtsverhandlung teil (Verfahrensgebühr 1,3 + Terminsgebühr 1,2).
Die genauen Zwischensummen hängen von der jeweiligen Tabellenwert-Höhe ab, die das RVG für diesen Streitwert festlegt. Als grobe Orientierung: Bei einem Streitwert von 3.000 Euro bewegen sich die Gesamtkosten für das beschriebene Szenario typischerweise im dreistelligen Bereich – der Rechner zeigt Ihnen die genaue Aufschlüsselung.
Wichtig: Ob die Kosten am Ende Sie, die Gegenseite oder teilweise beide tragen, hängt vom Ausgang des Verfahrens ab.
Was beeinflusst die Anwaltskosten?
Neben dem Streitwert gibt es weitere Faktoren, die die tatsächlichen Kosten beeinflussen:
- Art des Verfahrens: Außergerichtliche Einigung, Mahnverfahren, Klageverfahren oder Berufung – jede Stufe hat eigene Gebühren.
- Anzahl der Gerichtstermine: Jede Verhandlung löst eine eigene Terminsgebühr aus.
- Einigung vor Gericht: Kommt es zu einem Vergleich, kann eine zusätzliche Einigungsgebühr anfallen – die aber oft günstiger ist als ein vollständiges Verfahren.
- Individuelle Honorarvereinbarung: Anwälte können mit Mandanten abweichende Stundensätze oder Pauschalhonorare vereinbaren. In diesem Fall gilt das RVG nicht mehr als Berechnungsgrundlage.
- Prozesskostenhilfe: Wer die Kosten nicht tragen kann, kann unter bestimmten Voraussetzungen staatliche Unterstützung beantragen. Zuständig ist das jeweilige Gericht.
Wer trägt die Kosten am Ende?
Im deutschen Zivilrecht gilt grundsätzlich: Die unterlegene Partei trägt die Kosten des Verfahrens – also sowohl die eigenen Anwaltskosten als auch die der Gegenseite sowie die Gerichtsgebühren. Das klingt fair, bedeutet aber auch: Wer verliert, zahlt doppelt.
Deshalb lohnt es sich vor jedem Rechtsstreit, die Erfolgsaussichten realistisch einzuschätzen. Auch eine Rechtsschutzversicherung kann hier relevant sein – sie übernimmt in vielen Fällen Anwalts- und Gerichtskosten, sofern der Fall unter den versicherten Bereich fällt.
Grenzen dieses Rechners
Der Rechner liefert eine Schätzung auf Basis des RVG und typischer Gebührenrahmen. Er ersetzt keine individuelle anwaltliche Beratung und keine verbindliche Kostenfestsetzung. Abweichungen können entstehen, wenn:
- ein individuelles Honorar vereinbart wurde
- der Fall besonders aufwändig ist
- zusätzliche Instanzen eingeschaltet werden
- Auslagen über die Pauschale hinausgehen
Für eine verlässliche Einschätzung Ihres konkreten Falls empfiehlt sich das Erstgespräch mit einem Anwalt, das häufig kostenpflichtig, aber vergleichsweise günstig ist.